Bericht 2010 Muskuloskelettale Rehabilitation
Das Berner Reha Zentrum wird von Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen und mit unterschiedlichsten Krankheitsbildern aufgesucht. Das breite Spektrum der Ansprüche stellt Herausforderungen an die individualisierte Behandlung.
Im Hinblick auf die Patientenzahlen war das vergangene Jahr wiederum intensiv und erfolgreich. Unser jüngster Reha-Patient war ein 21-jähriger Skifahrer mit mehrfachen Verletzungen an Becken, Wirbelsäule und inneren Organen. Die älteste Patientin zählte 99 Jahre und gelangte schwerst sehbehindert aus dem Blindenheim nach der Operation einer hüftgelenksnahen osteoporotischen Fraktur zu uns.
Um dem breiten Spektrum der Ansprüche gerecht zu werden, müssen Zielsetzung, Therapie und Messkriterien individuell ausgestaltet werden. Aus diesen Gründen haben wir versucht, die Patientinnen und Patienten vorausschauend in Gruppen aufzuteilen. So haben wir beispielsweise eine Subgruppe eher „geriatrischer“ Patienten definiert: Neben ihren Problemen des Bewegungsapparates, die zur Akuthospitalisierung geführt haben, weisen sie zusätzliche durch ihr Alter bedingte Behinderungen auf.
Vielfältige Bedürfnisse geriatrischer Patienten
Bei dieser Gruppe wurden beim Eintritt systematisch geriatrische Assessments durchgeführt und auf die Situation zugeschnittene entsprechende Module in die Behandlung eingebunden. Diese prospektive Gruppierung kann allerdings nicht immer ganz eindeutig vorgenommen werden; die Altersgrenze stellte sich dabei als am wenigsten hilfreich heraus, obschon sie eines der drei Hauptkriterien ist, um Reha-Patienten der geriatrischen Rehabilitation zuzuteilen.
Die Subgruppenanalyse der Kategorie „Rehabilitation Bewegungsapparat“ zeigt in der Dokumentation des therapeutischen Endergebnisses (Outcome) folgende Unterscheidungsmerkmale: Im Vergleich zur Gesamtheit der Patientinnen und Patienten war der Anteil derjenigen, die direkt nach Hause oder zu Angehörigen entlassen werden konnten, bei der eher "geriatrischen" Gruppe eindeutig tiefer. Die durchschnittliche Rehabilitationsdauer fiel indes nur wenig höher aus. Einige wohnten bereits vor dem Ereignis in einem Alters- oder gar Pflegeheim, konnten aber aufgrund von Mobilitätseinschränkungen und erforderlichem Behandlungsaufwand postakut nicht direkt dorthin entlassen werden; sie mussten zuvor noch in die Rehabilitation. Nach dem Austritt benötigte ein weiterer Teil der Patientinnen und Patienten eine Übergangslösung. Dies, weil trotz verbesserter Mobilität und erhöhter Selbstständigkeit eine Entlassung nach Hause auch mit ausgebauter Spitex-Hilfe nicht mehr realistisch war. In vielen Fällen verhinderte aber auch der Kostenträger eine benötigte längere Rehabilitationsdauer, weil er die Kostengutsprache ablehnte.
Grösserer Aufwand durch veränderte Zuweiserprofile
Der durchschnittliche Behandlungsaufwand hat auch im vergangenen Jahr zugenommen. Es wurden vermehrt komplexe Einzeltherapien und Behandlungen am Bett, externe Untersuchungen sowie besonders teure intravenöse Antibiotika verordnet. Gemessen über die Leistungserfassung der Pflege ist der Aufwand ebenfalls nochmals angestiegen.
Bedenklich ist, dass die Frühverlegungen schon vor dem Stichjahr 2012 zugenommen haben: Es mussten Patienten rückverlegt werden, die schon zu Reha-Beginn nicht genügend stabil waren, schwerwiegende Infekte hatten oder bei denen Komplikationen auftraten, die nur im Akutspital behandelt werden konnten. Auch das Fehlen behandlungsrelevanter Abklärungen führt zu Mehraufwand in der Rehabilitation. Die veränderten Zuweiserprofile in der Spitallandschaft wirken direkt auf Outcome, Aufenthaltsdauer und Behandlungsaufwand bei Reha-Patienten zurück, sodass eine intensivierte Zusammenarbeit im Sinne der Pfadbehandlungen unabdingbar ist.

